Lohnvorstellung: Was Sie sagen — und was Sie nie sagen sollten
Zu hoch = aussortiert, zu tief = jahrelang unterbezahlt. Die Lohnfrage ist die teuerste Frage der Bewerbung — mit der richtigen Vorbereitung wird sie zur Chance.
Schritt 1: Marktwert recherchieren
- Lohnrechner: Der nationale Lohnrechner des Bundes (Salarium) und die Rechner der grossen Jobportale zeigen Median und Bandbreite nach Beruf, Region, Alter, Ausbildung.
- GAV prüfen: In vielen Branchen (Bau, Gastro, Verleih) gelten verbindliche Mindestlöhne.
- Realitätscheck Arbeitslosigkeit: Aus der Stellensuche heraus liegt die Verhandlungsmacht tiefer — kalkulieren Sie Ihre Untergrenze mit dem Taggeld als Referenz: Jede Stelle über ~70 % des alten Lohns schlägt die Arbeitslosigkeit finanziell (Zwischenverdienst eingerechnet).
Die Formulierungen
- Im Motivationsschreiben (nur wenn verlangt): «Meine Lohnvorstellung liegt bei CHF 78'000–84'000 brutto pro Jahr (inkl. 13. Monatslohn), abhängig vom Gesamtpaket.»
- Im Gespräch: zuerst zurückspielen — «Welches Budget haben Sie für die Position vorgesehen?» Wer zuerst eine Zahl nennt, verliert Spielraum.
- Wenn Sie nennen müssen: Bandbreite von ±5–8 %, verankert am oberen recherchierten Wert, plus Öffnung: «…wobei mir das Gesamtpaket — Weiterbildung, Pensum, Vorsorge — ebenso wichtig ist.»
- Nie: den alten Lohn als Rechtfertigung («ich hatte vorher X, darunter gehe ich nicht») — argumentieren Sie mit Marktwert und Leistung, nicht mit Geschichte.
Jahreslohn-Basics Schweiz
Immer brutto pro Jahr denken und klären: 12 oder 13 Monatslöhne? Bonus fix oder variabel? Bei Stundenlohn (temporär): Zuschläge für Ferien (~10,6 %/8,33 %) und 13. enthalten? Ein «CHF 6'000 × 13» schlägt «CHF 6'300 × 12» — wer nur die Monatszahl vergleicht, verhandelt blind.
Häufige Fragen
Muss ich meinen letzten Lohn offenlegen?
Nein. Höflich umlenken: «Relevanter als mein bisheriger Lohn scheint mir der Marktwert der neuen Aufgabe — meine Vorstellung liegt bei …». Lohnausweise müssen Sie im Bewerbungsprozess nicht vorlegen.
Verhandeln als RAV-Stellensuchende(r) — geht das überhaupt?
Ja, im zumutbaren Rahmen: Stellen ab 70 % des versicherten Verdienstes müssen Sie annehmen, aber nichts hindert Sie, im Gespräch professionell nach oben zu verhandeln. Einstiegslohn tief + Überprüfung nach 6 Monaten schriftlich vereinbaren ist ein bewährter Kompromiss.
Wie reagiere ich auf ein tiefes Angebot?
Nicht sofort ja oder nein: «Danke — darf ich eine Nacht darüber schlafen?» Dann gegenrechnen (Weg, Pensum, Entwicklung) und mit einem konkreten Gegenwert antworten: Zahl + Begründung + Alternative (Weiterbildungsbudget, zusätzliche Ferienwoche).