ALV einfach erklärt: der Abzug auf Ihrer Lohnabrechnung — und was er Ihnen bringt
Jeden Monat steht sie auf der Lohnabrechnung: die ALV. Was die Arbeitslosenversicherung kostet, wer zahlt, wer NICHT versichert ist — und wie Sie im Ernstfall an Ihre Leistungen kommen.
Der ALV-Beitrag: die Zahlen
- Beitragssatz: 2,2 % des Bruttolohns — je 1,1 % Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Auf Ihrer Lohnabrechnung sehen Sie also 1,1 % Abzug.
- Höchstlohn: CHF 148'200/Jahr (CHF 12'350/Monat) — auf Lohnteile darüber wird kein ALV-Beitrag mehr erhoben. Das frühere «Solidaritätsprozent» auf hohe Löhne wurde per 2023 abgeschafft.
- Rechenbeispiel: Bruttolohn CHF 6'000/Monat → ALV-Abzug CHF 66 für Sie, CHF 66 für den Arbeitgeber.
- Erhoben wird der Beitrag zusammen mit AHV/IV/EO durch die Ausgleichskasse — automatisch, Sie müssen nichts tun.
Wer ist versichert — und wer nicht?
- Versichert: alle Arbeitnehmenden in der Schweiz, ab dem ersten Franken Lohn — auch Teilzeit, temporär, Lehrlinge, Grenzgänger.
- NICHT versichert: Selbstständigerwerbende. Wer sein Einzelunternehmen aufgibt, hat keinen ALV-Anspruch aus dieser Tätigkeit — eine freiwillige ALV gibt es nicht. Das ist die wichtigste und am wenigsten bekannte Lücke des Systems.
- Grauzone GmbH/AG: Wer in der eigenen Firma angestellt ist (arbeitgeberähnliche Stellung), zahlt zwar Beiträge, hat aber praktisch erst nach vollständigem Ausscheiden Anspruch — ein Dauerbrenner vor Gericht.
- Rentner: Ab Erreichen des Referenzalters enden Beitragspflicht und Anspruch.
Was Sie für die Beiträge bekommen
Die ALV ist mehr als «Arbeitslosengeld» — sie finanziert vier Leistungsarten:
- Arbeitslosenentschädigung: 70–80 % des versicherten Verdienstes, 200–520 Taggelder — Anspruch prüfen und in 30 Sekunden ausrechnen.
- Kurzarbeitsentschädigung (KAE): hält Sie in der Anstellung, wenn Ihr Betrieb vorübergehend weniger Arbeit hat.
- Schlechtwetterentschädigung: für Bau und wetterabhängige Branchen.
- Insolvenzentschädigung: bis 4 Monatslöhne, wenn der Arbeitgeber Konkurs geht — plus arbeitsmarktliche Massnahmen (Kurse, Umschulungen, Einarbeitungszuschüsse) für Stellensuchende.
Vom Beitrag zur Leistung: so kommen Sie im Ernstfall ans Geld
Beiträge zahlen genügt nicht — es braucht 12 Beitragsmonate in den letzten 2 Jahren (Rahmenfrist) und die sofortige Anmeldung beim RAV. Wer zu spät kommt, verliert unwiderruflich Taggelder: Die Anmeldung ist der Schalter, der Ihre bezahlten Beiträge in Leistungen umwandelt.
Häufige Fragen
Was bedeutet ALV auf der Lohnabrechnung?
ALV = Arbeitslosenversicherung. Der Abzug beträgt 1,1 % Ihres Bruttolohns (der Arbeitgeber zahlt nochmals 1,1 %) bis zu einem Jahreslohn von CHF 148'200. Er versichert Sie gegen Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit und Arbeitgeber-Konkurs.
Warum zahle ich auf hohem Lohn keine ALV mehr?
Beiträge werden nur bis zum Höchstlohn von CHF 148'200/Jahr erhoben — entsprechend ist auch nur dieser Lohn versichert. Das Solidaritätsprozent auf höhere Löhne wurde Ende 2022 abgeschafft, weil die ALV-Schulden getilgt waren.
Bekomme ich meine ALV-Beiträge zurück, wenn ich nie arbeitslos werde?
Nein — die ALV ist eine Risikoversicherung wie die Unfallversicherung, kein Sparkonto. Auch beim endgültigen Verlassen der Schweiz werden ALV-Beiträge (anders als teils bei der Pensionskasse) nicht ausbezahlt.
Zahlen Grenzgänger auch ALV — und wo erhalten sie Leistungen?
Ja, Grenzgänger zahlen in der Schweiz ALV-Beiträge. Bei voller Arbeitslosigkeit erhalten sie die Leistungen aber grundsätzlich vom Wohnsitzstaat — die Schweizer Beiträge werden dabei angerechnet.